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4.05.2012 |  Andrea Wörle
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Grenzenlos


Freihandelszone light ab 2017?



Es ist ein großer Traum: Eine Freihandelszone, die sich nach europäischem Vorbild über den gesamten afrikanischen Kontinent erstreckt. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen aber noch einige Hürden überwunden werden. Neben den hohen Transportkosten und der maroden Infrastruktur gehört die restriktive Grenzpolitik zu den größten Handelshemmnissen Afrikas.

Der Traum ist nicht neu. „Ein großer gemeinsamer Markt von Kairo bis Kapstadt“, beschrieb Tansanias Präsident Jakaya Kikwete kürzlich die Vision einer zukünftigen afrikanischen Freihandelszone. Wie wichtig es ist, dieses Vorhaben möglichst zeitnah umsetzen, verdeutlichen die Zahlen zum innerafrikanischen Handel der Weltbank. Demnach macht der Binnenhandel nur etwa zehn Prozent des afrikanischen Bruttoinlandsproduktes aus. Zum Vergleich: Bei der Europäischen Union sind es rund 60 Prozent.

Innerafrikanischer Handel schafft Arbeitsplätze und Wohlstand


Die Realisierung einer Freihandelszone würde nicht nur den Arbeitsmarkt ankurbeln, sondern damit einhergehend auch die Armut der Afrikaner verringern. „Rohstoffe nach Europa oder China zu exportieren, hinterlässt kaum Beschäftigungseffekte“, erklärt Robert Kappel, Afrika-Experte am German Institute of Global and Area Studies. Der innerafrikanische Handel von Nahrungsmitteln, einfachen Konsumgütern und Industrieprodukten hingegen schon. Schließlich involviere der intraregionale Warenverkehr Händler sowie lokale Produzenten.

Der halbe Kontinent will sich zusammenschließen


Bislang existieren acht – sich teilweise überschneidende – regionale Wirtschaftsunionen auf dem afrikanischen Kontinent. Dazu zählen unter anderem die Entwicklungsgemeinschaft des Südlichen Afrikas (SADC), die Ostafrikanische Gemeinschaft (EAC) und der Gemeinsame Markt für Ost und das Südliche Afrika (COMESA). Problematisch ist dabei vor allem, dass die verschiedenen Bündnisse ihre eigene Agenda verfolgen, bis hin zur Einführung einer gemeinsamen Währung.

Um etwas Licht ins Dickicht zu bringen, wollen sich zumindest SADC, EAC und COMESA in einem ersten Schritt zu einer Freihandelszone light zusammenschließen. Beim diesjährigen Treffen der Afrikanischen Union im Januar haben die drei Bündnisse Nägel mit Köpfen gemacht. Der Plan: Bis 2017 soll demnach eine Freihandelszone innerhalb ihrer Mitgliedsländer in trockenen Tüchern sein. Dazu gehören folgende Staaten: Angola, Botswana, Burundi, die Komoren, Dschibuti, die Demokratische Republik Kongo, Ägypten, Eritrea, Äthiopien, Kenia, Lesotho, Libyen, Madagaskar, Malawi, Mauritius, Mosambik, Namibia, Ruanda, die Seychellen, Swaziland, Südafrika, Sudan, Tansania, Uganda, Sambia und Simbabwe.

Kleine Schritte führen zum Ziel


Experte Kappel bezweifelt allerdings, dass dieses Ziel bis 2017 umgesetzt werden kann. Das größte Problem sieht er in den unterschiedlichen Wachstums-Geschwindigkeiten der einzelnen Staaten: „Vor allem aufgrund ihrer hohen Rohstoffvorkommen weisen einige Länder vergleichsweise hohe Wachstumsraten auf. Erschwerend kommt hinzu, dass die einzelnen Volkswirtschaften teils recht unterschiedlich aufgestellt sind.“

Wie sehr die wirtschaftliche Integration des afrikanischen Kontinents noch in den Kinderschuhen steckt, wird etwa daran deutlich, dass „ein Banktransfer von Burundi nach Tansania schon mal Monate dauern kann“, meint Kappel. Es sei daher immer noch weitaus einfacher und schneller, die Summe in Dollar zu wechseln, in das Empfängerland zu reisen und dort wieder in die Landeswährung umzutauschen.

Damit die Vision einer Kontinent übergreifenden Freihandelszone kein Traum bleibt, müsse laut Kappel vor allem die freie Mobilität von Kapital und Arbeitskräften, die Erleichterung beziehungsweise Abschaffung von Visapflichten und der schrittweise Abbau von Zöllen vorangetrieben werden. „Kleine Schritte führen zum Ziel. Unternehmen, die investieren wollen, können sich dann auch besser auf die Umsetzung dieser Punkte verlassen“, erläutert der Afrika-Experte.
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Disclaimer: Foto: Robert Kappel, © Werner Bartsch
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