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30.04.2012 |  Andrea Wörle
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Länderportrait: Südsudan


Armut und Konflikte



Die Konflikte zwischen dem Sudan und dem ölreichen Südsudan brechen nicht ab. Der ungeklärte Grenzverlauf der beiden Länder und das umstrittene Heglig-Ölfeld entfachte auch in den jüngsten Tagen militärische Gefechte zwischen den beiden Nationen. Gravierende Armut und eine fehlende wirtschaftliche Entwicklung prägen das Bild des Landes.

Am 9. Juli 2011 hat sich der Südsudan vom Sudan losgelöst und seine Unabhängigkeit erklärt. Beinahe die gesamte Bevölkerung hat dafür gestimmt. Die Abspaltung des überwiegend christlichen Südsudans vom muslimischen Norden war Teil des Friedensplanes, um den jahrzehntelangen Bürgerkrieg zu beenden. Ein Konflikt, der mehr als zwei Millionen Menschen das Leben gekostet hat.

Ölreichtum füllt nicht nur die Staatskasse,...


Die Wirtschaft des 54. afrikanischen Staats ist wie kaum ein anderes Land von seinem Erdölvorkommen abhängig; rund 98 Prozent der gesamten Staatseinnahmen stammen aus dem Ölgeschäft. Nach Nigeria und Angola ist der gesamte Sudan der drittgrößte Erdölproduzent des afrikanischen Kontinents.

...sondern schürt auch Konflikte


Der enorme Rohstoffreichtum ist Segen und Fluch zugleich. Schließlich ist der Machtkampf um das „schwarze Gold“ einer der Kernpunkte des Konflikts zwischen dem Norden und Süden. Während der Sudan für die Nutzung seiner Pipeline zum Hafen in Port Sudan über 30 US-Dollar je Barrel verlangt, will der Südsudan lediglich einen Dollar bezahlen. Aus Protest hat der Südsudan daher im Januar sogar den Ölhahn zugedreht. „Die Art der Auseinandersetzung hat damit eine neue Qualität bekommen“, erklärt Carlo Koos, Sudan-Experte am German Institute of Global and Area Studies. Und dies, obwohl die Öleinnahmen dringend benötigt werden, um den notwendigen Staatsaufbau zu finanzieren. „Der Südsudan ist nach unseren Maßstäben noch lange kein lebensfähiger Staat. So muss noch viel Geld in den Gesundheitssektor, in Bildung und den Aufbau der Infrastruktur fließen“, so Koos.

Fakt ist: Außer am Erdöl mangelt es dem neuen afrikanischen Staat an fast allem. Das Land hat de facto keine Infrastruktur. So verfügt der Südsudan nur über knapp 60 Kilometer asphaltierter Straßen. Strom wird überwiegend durch teure Dieselgeneratoren hergestellt und fließendes Wasser ist nur an wenigen Orten vorhanden. „Schulen und Krankenhäuser werden von internationalen Nichtregierungsorganisationen betrieben“, fügt Experte Koos hinzu.

Auf der anderen Seite leistet sich die Regierung eine große Armee; rund 300.000 Menschen beschäftigt das Militär. Eine beeindruckend hohe Zahl, angesichts von nur acht Millionen Südsudanesen. Darüber hinaus verdienen Angehörige des Militärs zudem noch weitaus besser als der Durchschnitt der südsudanesischen Bevölkerung. Angaben der Weltbank zufolge hat die Hälfte weniger als einen Dollar am Tag zur Verfügung. „Die meisten Menschen betreiben Subsistenz-Wirtschaft, um überleben zu können“, so Koos.

Hoffnungen ruhen auf Ackerbau


Wirkliches Potenzial hätte der Agrarsektor, da das Land über sehr fruchtbare Böden verfügt. Allerdings fehlen die nötigen Transportwege, um die Agrarprodukte zu marktfähigen Preisen anbieten zu können. „Und so lange kein Frieden herrscht, muss die Bevölkerung häufig fliehen und ihre Ackerböden zurücklassen“, weiß Koos.
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Disclaimer: Foto: ©yevgeniy11 - Fotolia.com
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