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Bergbau wird in über 100 Ländern der Welt betrieben, über 50 davon können als „Bergbauländer“ bezeichnet werden; also Länder, in denen Bergbau über 6 Prozent des Exports ausmacht oder von sehr großer inländischer Bedeutung ist. Über 90 Prozent davon sind Entwicklungsländer, die meisten davon liegen in Afrika.
In Anbetracht einer weiter steigenden Weltbevölkerung und immer höherer materieller Ansprüche, insbesondere in den derzeitigen Schwellenländern, muss mit einem enormen Anstieg am Bedarf nicht nur an Energie und Trinkwasser, sondern auch an mineralischen Rohstoffen gerechnet werden. Letzterer wird sich weltweit bis zum Jahr 2050 in etwa verdoppeln, sollte sich der Trend der letzten 30 Jahre fortsetzen. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, inwieweit Afrika vom zukünftigen Hunger nach geogenen Rohstoffen profitieren und Bergbau eine Schlüsselrolle in einem anzustrebenden Aufstieg der afrikanischen Wirtschaft spielen kann.
Segen und Fluch zugleichDie Vergangenheit zeigt, dass Bergbau sowohl Segen als auch Fluch für afrikanische Länder sein kann. So kommen sowohl die weltweit größten Gewinner als auch Verlierer in Bezug auf Wirtschaftswachstum aus Afrika. In den 1990er Jahren wies beispielsweise Botswana mit einem Bergbau-Anteil am BIP von 70 Prozent das höchste Wirtschaftswachstum (418 %) relativ zur Region auf. Die Demokratische Republik Kongo und Sierra Leone erzielten mit einem Bergbau-Anteil am BIP von 50 beziehungsweise 80 Prozent den katastrophalsten Abstieg mit jeweils knapp -700 Prozent. Zum einen kann Bergbau als Keim und Katalysator für die Etablierung weiterverarbeitender Industrie dienen, den Import neuer Technologien und Innovationen fördern, dabei zahlreiche Arbeitsplätze auch nachhaltig schaffen, und gleichzeitig dem Staat zu hohen Einnahmen verhelfen. Wird mit solchen Einnahmen verantwortungsbewusst umgegangen, so kann Bergbau in der Tat den Grundstein für wirtschaftlichen Erfolg darstellen. Hier sei an erfolgreiche Länder wie Australien, Kanada, USA oder Schweden erinnert, die alle als Bergbauländer ihren wirtschaftlichen Aufstieg begannen. In Afrika könnten Südafrika und Botswana als Beispiele angeführt werden. Zum anderen laufen Bergbauländer Gefahr, in eine Spezialisierungsfalle zu tappen, indem sie andere innovativere Sektoren vernachlässigen und sich folglich einer hohen Abhängigkeit von der Weltkonjunktur aussetzen. Die zeitweise hohen Einnahmen für Regierungen können leicht in Missmanagement, Korruption und im Extremfall zu einer leichteren Finanzierung staatlicher Aggression, sei es gegen externe Gegner oder das eigene Volk, münden. Zimbabwe mit seinem hohen Anteil am Verkauf von „Blutdiamanten“ ist ein trauriges Beispiel. Minen leiden unter hohen Produktionskosten...Bei etlichen Rohstoffen nimmt Afrika eine Spitzenstellung bei der globalen Förderung ein. So kamen beispielsweise im letzten Jahrhundert über zwei Drittel der globalen Diamant- als auch Goldförderung aus Afrika, vornehmlich aus dem südlichen Afrika. Der Produktionstrend ist jedoch seit Jahren negativ. Betrug der afrikanische Anteil an der legalen globalen Diamantförderung 1975 noch knapp 68 Prozent, so liegt er derzeit nur noch bei 56 Prozent. Die weiteren Aussichten in den traditionellen Förderländern sind düster – mit drastischen Einbrüchen in der Produktion muss in Südafrika und Botswana ab den 2020er Jahren gerechnet werden. Ähnlich verhält es sich mit Gold aus der mit Abstand größten Goldprovinz der Welt, dem Witwatersrand Becken in Südafrika. Von seiner im letzten Jahrhundert unumstrittenen Vormachtstellung in der globalen Goldförderung (rund 60 Prozent) entfernt sich Südafrika mehr und mehr. Extrapolation und Modellierung historischer Produktionskurven deuten auf ein de facto Erliegen der großen südafrikanischen Goldminen im Lauf der nächsten 10 bis 15 Jahre. Dies ist erstaunlich in Anbetracht riesiger noch im Untergrund liegender Vorräte, die auf über 30 Prozent der globalen geologischen Goldvorräte geschätzt werden. Auf der anderen Seite zeigt diese Entwicklung den entscheidenden Einfluss von Produktionskosten. Der größte Teil dieser Vorräte liegt in Tiefen (z.T. über 5 km), aus denen mit derzeitigen Abbaumethoden Gold nicht wirtschaftlich gewinnbar ist. Schon heute liegen trotz Rekordhoch beim Goldpreis die Produktionskosten von so mancher südafrikanischer Mine oberhalb des Goldpreises. ...und schrumpfenden Metallgehalten im ErzVon dem weltweiten Trend sinkender Metallgehalte in abgebauten Erzen ist auch Afrika nicht ausgenommen. Die allermeisten Formen des Bergbaus sind extrem energieintensiv und abhängig von (Süß-)Wasser. Mit sinkendem Metallgehalt im Erz steigt der Bedarf an Energie und Wasser exponentiell. Zu erwartende über-inflationär steigende Energie- und Wasserkosten werden die bergbaulichen Produktionskosten überdurchschnittlich antreiben. Somit wird die Verfügbarkeit von Energie und Wasser – derzeit in den meisten Regionen Afrikas Mangelwaren – einen entscheidenden Einfluss auf die Ausbaufähigkeit von Bergbau in den diversen Regionen des Kontinents ausüben. Ein warnendes Beispiel sei Uran, dessen wesentlichste Verwendung in der Gewinnung von Kernenergie liegt. Viele der zukünftigen Uranvorkommen, die von Organisationen wie der IAEA als Vorräte für den Betrieb von Nuklearreaktoren in den nächsten Jahrzehnten bewertet werden, liegen in Afrika. In etlichen davon ist der Gehalt an Uran im Erz jedoch so niedrig, dass die Wahrscheinlichkeit besteht, mehr Energie für Abbau und Verarbeitung aufbringen zu müssen als letztlich über Atomkraftwerke aus dem gewonnenen Uran erzielt werden kann. Damit wäre der Abbau einer solchen Ressource widersinnig, egal wie hoch der Preis für den Rohstoff ist. Subsahara-Afrika: Enorm hohe RohstoffvorkommenRund 89 Prozent der bekannten Vorräte an Platin, 81 der Chrom-, 61 der Mangan-, und 60 Prozent der Kobalt-Vorräte liegen in Subsahara-Afrika. Dies bietet große Chancen, birgt aber auch Gefahren, liegen die meisten dieser Vorräte doch konzentriert in nur einem oder zwei Ländern. Dies erklärt, warum die EU Kommission Platingruppen-Metalle an zweiter Stelle (nach den Seltenen Erdelementen) hinsichtlich Versorgungsrisiko gesetzt hat, obwohl die Reichweite der bekannten Vorräte durchaus erheblich, die Verfügbarkeit aber einem großen Länderrisiko (hier Südafrika) ausgesetzt ist. Aus geologischer Sicht hat kein anderer Kontinent so viel bergbauliches Potential wie Afrika. Vor allem alte archaische Kratone haben sich als äußerst günstig für die Bildung etlicher großer Erzlagerstättentypen erwiesen. Dies beweist das südliche Afrika, wo im archaischen Kaapvaal Kraton einige der weltweit größten Metallakkumulationen lagern. Während der südliche Teil des Kontinents in den letzten Jahrzehnten vergleichsweise intensiv exploriert worden ist, kann der zentrale und nördliche Teil als vergleichsweise unerforscht gelten. Dies liegt sowohl in politischen Konstellationen begründet als auch in der flächenweiten Überdeckung der alten, potenziell erzhaltigen Gesteine durch junge Sedimente. Eine enorme Weiterentwicklung im geologischen Verständnis erzbildender Prozesse und in Explorationsmethoden ermöglicht es mehr und mehr in Regionen vorzudringen, in denen die eventuell erzführenden Gesteine nicht an der Erdoberfläche anstehen. Dies macht vor allem Regionen in West-, Zentral- und Ostafrika zu verheißungsvollen Zielgebieten, da diese von uralten archaischen oder frühproterozoischen Gesteinen unterlagert werden. Bislang arme Länder mit einer gewissen politischen Stabilität und private Investitionen begünstigenden Politik können die Nutznießer hierbei sein. So gelang es beispielsweise einem der ärmsten Länder der Welt, Burkina Faso, innerhalb der letzten fünf Jahre zu einem signifikanten Bergbauland aufzusteigen, in dem die Goldproduktion von weniger als 1 t (ausschließlich durch artisanalen Bergbau gewonnen) auf 31.8 t gesteigert werden konnte und damit zum wichtigsten Devisenbringer wurde. Regierungen müssen optimale Rahmenbedingungen schaffenEin vielversprechendes Explorationspotenzial in etlichen, bisher eher stiefmütterlich behandelten Regionen Afrikas schürt in der Tat die Hoffnung, dass dort Bergbau der Antriebsmotor für die wirtschaftliche Entwicklung werden kann. Zwei große Hürden gilt es dabei jedoch zu überwinden: zum einen müssen die jeweiligen Regierungen der Versuchung widerstehen, über zu hohe Steuern oder sonstige Abgaben oder gar Verstaatlichungspläne zu viel vom mineralischen Rahm abschöpfen zu wollen und damit potenzielle Investoren abzuschrecken. Diesbezügliche Absichten führten in den letzten Jahren insbesondere in Bergbauländern wie Namibia, Simbabwe, Sambia, Tansania, Ghana, aber auch Südafrika zu erheblicher Verunsicherung. Zum anderen gilt es, durch gezielte geowissenschaftliche Trainingsprogramme eine wesentlich breitere Basis an lokaler qualifizierter Arbeitskraft für die Explorations- und Bergbauwirtschaft zur Verfügung zu stellen. Denn im Moment scheitern viele Explorationsprojekte in Afrika am Mangel an ausgewiesenem Fachpersonal. Hartwig Frimmel ist Professor am Lehrstuhl Geodynamik und Geomaterialforschung der Universität Würzburg
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